Rezension

Bach - Transkriptionen
Piano News, November 2017
Anja Renczikowski

Johann Sebastian Bach – der Großmeister hat viele Komponistengenerationen inspiriert. Die, die durch ihn zu Bearbeitungen und Transkriptionen angeregt wurden, hat die Pianistin Angelika Nebel nun in einem vielfältigen Bach-Programm mit Raritäten und einigen Erstveröffentlichungen eingespielt. Es ist bereits die vierte CD mit diesem Repertoire der Pianistin und es scheint ein schier unerschöpflicher Schatz, den es zu entdecken gilt. So viel darf verraten werden: Die Aufnahme ist mit ihren 12 Transkriptionen die erste von zwei CDs. Beide CDs zusammen berücksichtigen 24 Dur- und Molltonarten, wenn auch in anderer Folge als Bachs „Wohltemperiertes Klavier“, die somit zusammen eine Art „Opus Magnum“ bilden werden.

Der Reigen ist interessant. Da ist zum Beispiel der aus der russischen Klavierschule stammende Samuil Feinberg (1890-1962) mit einer Choralbearbeitung „Wer nun den lieben Gott lässt walten“ BWV 647 oder die Bearbeitung des Choralvorspiels „Liebster Jesu, wir sind hier“ BWV 731 von Harriet Cohen. Sie war eine der bedeutendsten englischen Pianistinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dazu gibt s ein Präludium und Fuge f-Moll BWV 534 von Eugen d’Albert und zwei aus der Feder von Angelika Nebel, sowie eine Transkription ihres Schülers, des Brasilianers Wagner Stefani d’Aragona Malheiro Prado. Angelika Nebel ist zurückhaltend – sie lässt die Musik für sich sprechen, ihr Spiel ist voller Brillanz, agogisch und dynamisch ausdifferenziert. Ihre Begeisterung für diese Musik ist spürbar – klar und unaufdringlich, und doch voller Reichtum und Glanz.