Rezension

Bach Metamorphosis (Hänssler)
ich-habe-gehoert.blogspot.de, 17. August 2013

Die Romantiker haben die Werke von Johann Sebastian Bach dem Publikum wieder zugänglich gemacht – doch sie taten dies auf ihre Weise: Sie haben Bachs Musik verwandelt, bearbeitet, ihren Hörgewohnheiten und ihrer Kunstauffassung angepasst. Damit haben sie eine Tradition begründet, die Musiker bis zum heutigen Tage fortführen.

Eine spannende Auswahl solcher Bach-Bearbeitungen hat die Pianistin Angelika Nebel für Hänssler Classic eingespielt. Sie hat die Werke in die Ordnung des Kirchenjahres gestellt, und beginnt mit Walter Braunfels' Version von Präludium und Fuge A-Dur BWV 536. Dieses Werk zeigt gerade exemplarisch, wie sich Bachs Orgelmusik auf den modernen Konzert- flügel transferieren lässt – und zwar so, dass wirklich Klaviermusik daraus wird. Sehr gelungen erscheint auch die Klavierversion der Sinfonia aus der zweiten Kantate des Weihnachtsoratoriums, die der Kanadier Clarence Lucas geschaffen hat.

Bei der Klavierbearbeitung des Sicilianos aus der Flötensonate BWV 1031 begeistert nicht nur die gelungene Transkription durch Isidore Philipp. Hier zeigt sich einmal mehr die Gabe der Pianistin, den klaren Blick für die Strukturen mit Innigkeit und Wärme in der Gestaltung zu verbinden. Das bekommt auch den Choralbearbeitungen, die auf dieser CD in großer Zahl zu hören sind, ausgezeichnet. Der Höhepunkt aber kommt ganz zum Schluss, wenn Nebel eine Klaviertranskription des sechsstimmigen Ricercars aus dem Musikalischen Opfer BWV 1079 vorträgt, die Wagner Stefani D'Aragona Malheiro Prado geschrieben hat. Es war das erklärte Ziel des Komponisten, in seiner Bach-Bearbeitung orchestrale Klangfarben einzufangen, wie er sie in einer Aufführung durch das Stuttgarter Kammerorchester unter Karl Münchinger erlebt hatte. Diese Version ist Angelika Nebel gewidmet – und sie wird von ihr wunderbar sensibel gespielt.

Quelle: http://ich-habe-gehoert.blogspot.de/search/label/Nebel