Rezension

Angelika Nebel spielt Bach-Transkriptionen
www.br-online.de/br-klassik, 30. September 2010


Kaum ein Komponist hat wie Johann Sebastian Bach die Musikerkollegen zu Transkriptionen, Arrangements und Improvisationen angeregt. Vielleicht hat das damit zu tun, dass die dichten, konzentrierten und vielschichtigen Ton-Gewebe Bachs weniger an eine bestimmte Klangvorstellung gekoppelt sind und sich deshalb besonders gut für die unterschiedlichsten Bearbeitungen eignen.

"Neue und wiederentdeckte Annäherungen an Johann Sebastian Bach" heißt es im Titel der beim Label "Ars Musici" erschienenen CD, auf der sich die Pianistin Angelika Nebel selten zu hörenden Bach-Transkriptionen verschiedener Komponisten für Klavier widmet.

Die Pianistin Angelika Nebel widmet sich auf ihrer neuen CD also nicht berühmten Klassikern der Bach-Bearbeitung wie Liszt oder Busoni, sondern ungewöhnlichen, nur selten aufgeführten Transkriptionen kaum bekannter Arrangeure. Darunter Komponisten wie der 1968 im nordrheinwestfälischen Meinerzhagen geborene Frank Zabel, der im Vorwort seiner Transkription der Partitur Sonate für Violine solo in g-Moll, BWV 1001unter anderem folgende Ziele formuliert:
"Korrekte Wiedergabe des zugrunde liegenden harmonischen Satzes", "Aufsplitterung von latenter Mehrstimmigkeit in Liegetöne" und "Erweiterung des Tonsatzes zu einem klaviertypischen".

Oder auch Robert Franz - dieser Bearbeiter machte sich im 19. Jahrhundert besonders als romantischer Liedkomponist einen Namen und erweiterte den Bachschen Satz in seiner Transkription der Cembalo-Suite in c-Moll BWV 997 nicht nur stimmenmäßig sondern auch harmonisch.

Die CD bietet eine gelungene Auswahl hörenswerter, Bachs musikalische Substanz meisterhaft verarbeitender Klavier-Kleinodien, deren technische und musikalische Herausforderungen Angelika Nebel mit subtiler Souveränität meistert. Ihre Interpretation enthält sich wohltuend aller vordergründigen Effekte und entspricht mit großer Schlichtheit und Konzentration der Ernsthaftigkeit und Tiefe dieser Musik. Trotz des oftmals vollgriffig-opulenten Klaviersatzes der Bearbeitungen bleibt das Spiel von Angelika Nebel immer hell und transparent.

Hinzu kommt ein nie auftrumpfender, sondern vornehm zurückhaltender und zugleich gesanglich-meditativer Klavierton. Damit gelingt es Angelika Nebel auf einfühlsame Weise, die bei aller pianistischen Ausschmückung oft auch sehr polyphonen Strukturen klar herauszuarbeiten. Fazit: Hoher Repertoirewert dieser nahezu unbekannten und doch die Entdeckung lohnenden Bach-Bearbeitungen sowie ein berührend feinsinnige und stilsichere Interpretation.