Rezension

Angelika Nebel spielt Bach-Transkriptionen
http://www.br.de/radio/br-klassik, 04. April 2013

Die weitaus meisten Transkriptionen von Bachs Werken wurden allerdings für das Klavier geschaffen. Nun hat die Pianistin Angelika Nebel wenig bekannte Bach-Bearbeitungen beim Label Hänssler Classic eingespielt. Angelika Nebel hatte bereits vor einigen Jahren lohnende Entdeckungen aus dem reichen Repertoire der Bach-Bearbeitungen auf einer CD vorgestellt und stellt nun wieder spannende Neu- und Wiederentdeckungen vor. So finden sich hier selten zu hörende Transkriptionen Bachscher Werke des Liszt-Schülers Carl Tausig, aber auch von Ralph Vaughan Williams oder von dem bei uns nahezu unbekannten ungarischen Komponisten Isidor Philipp, der Lehrer von Albert Schweitzer und Aaron Copland war.

Sensibel und transparent gestaltet Angelika Nebel diese besonderen Bearbeitungen Bach'scher Werke, die zuweilen eigenwillige aber immer interessante musikalische Akzente setzen. Das gilt zum Beispiel für die Bearbeitung des Präludiums und Fuge A-Dur BWV 536 aus der Feder des inzwischen nicht nur als Opernkomponisten wiederentdeckten Walter Braunfels. Sein faszinierendes Klavierarrangement dieses Orgelwerks hebt nicht nur die polyphonen Verflechtungen deutlicher hervor sondern verstärkt auch den Charakter des ursprünglich eher zart angelegten Präludiums zu majestätischem Ausdruck. Die feinsinnig-farbige Transkription des 6-stimmigen "Ricercar" aus Bachs "Musikalischem Opfer" von Wagner Stefani D'Aragona Malheiro Prado hat der brasilianische Komponist sogar eigens der Pianistin Angelika Nebel gewidmet.

Es ist eine überzeugende Mischung aus einfühlsam-vornehmer Zurückhaltung, apollinischer Klarheit und polyphonem Gestaltungssinn, die das Bach-Spiel von Angelika Nebel auszeichnet. Hinzu kommt ein tiefes Verständnis für die musikalische Sprache Johann Sebastian Bachs, das die Frage aufwirft, ob die Pianistin sich nicht einmal selber an eine Bach-Transkription wagen sollte. Fazit: eine rundum hörenswerte Entdeckungsreise in lohnende, kaum bekannte Gefilde der Bach-Bearbeitung für Klavier!