Antonio Soler, Sonaten

1. Sonate Nr. 15
en modo dorico
7. Sonate Nr. 24
d-moll
2. Sonata por la Princesa de Asturias
C-Dur
8. Sonate Nr. 90
Fis-Dur
3. Sonate Nr. 21
cis-moll
9. Sonate Nr. 25
en modo dorico
4. Sonate Nr. 113
e-moll
10. Sonate Nr. 23
Des-Dur
5. Sonate Nr. 34
E-Dur
11.  Sonate Nr. 18
en modo dorico
6. Sonate Nr. 86
D-Dur
12.  Sonate Nr. 88
Des-Dur


Rezensionen:

Manfred Karallus im Hessischen Rundfunk, 02.03.2003
Carsten Dürer in PianoNEWS, Ausgabe 01/02 2003


Booklettext:

Meine Erinnerungen: Wir betreten die granitene Welt des Escorial, die nach außen hin abweisend wirkt und eher einer Festung gleicht. Im Inneren befinden sich die königlichen Wohn- und Schlafgemächer, wenige Schritte weiter eine kleine Kapelle. Wir steigen tief hinab zu den steinernen Sarkophagen und wenden uns wieder aufwärts zum Tageslicht. Wie von einer Last befreit erreichen wir im gleißenden Licht der spanischen Sonne das Gärtchen des benachbarten Klosters San Lorenzo: Hier ist Leben, atmende Ruhe, ein Brunnen, schattiges Grün. Hier auch haben der Infant Don Gabriel und sein Lehrer, Padre Antonio Soler, ihre täglichen Spaziergänge gemacht, und es wird berichtet, dass Don Gabriel die Schalmei so virtuos erklingen ließ, als hätten sich sämtliche Hirten Arkadiens versammelt.

Im Kloster San Lorenzo schrieb Soler für seinen musikalisch hochbegabten Schützling, der mehrere Instrumente zu spielen verstand, eine Fülle von Sonaten, voller Anmut und Unbeschwertheit.

Als Sechsjähriger war Antonio Soler in die berühmte Singschule der Benediktinerabtei in Montserrat aufgenommen worden, wo er eine umfassende Ausbildung erhielt. Im Alter von 16 Jahren trat er die Kapellmeisterstelle am Dom zu Lérida an und wurde mit 23 Jahren als Organist und Kapellmeister an den Escorial berufen, wo er auch Gelegenheit hatte, bei dem berühmten Domenico Scarlatti Unterricht zu nehmen. Zur gleichen Zeit trat er dem Hieronymitenorden bei, wurde Mönch und lebte bis zu seinem Lebensende im Kloster San Lorenzo.

Die Musik wurde am Hofe sehr gepflegt und man sprach geradezu von einer "Melomanie". Die besten Instrumente der Zeit standen zur Verfügung, darunter mehrere Hammerflügel und einige Cembali mit besonders großem Tonumfang. Hier konnte Soler seiner Experimentier- und Spielfreude freien Lauf lassen. In seinen zumeist für den Infanten Don Gabriel komponierten Sonaten schöpft er aus dem großen Fundus spanischer Musik und zuweilen ist es, als hörten wir Händeklatschen und Kastagnetten-Spiel, das Rasseln eines Schellen-Tamburins, Schalmeien-Klänge oder tiefe Orgelregister. Er führt die Virtuosität der Scarlatti-Sonaten fort: wir finden das Spiel mit gekreuzten Händen, weite Oktavsprünge über mehrere Lagen, schnelle Repetitionen, rauschende Arpeggiokaskaden, aber auch neue, unerwartete harmonische Wendungen.

In den Memorias Sepulcrales, in denen über das Laben in San Lorenzo berichtet wird, ist zu lesen, dass Padre Soler ein äußerst fleißiger und gewissenhafter Mönch und Musiker war. Er hat mit seinen Sonaten eine Musik geschaffen, die eine große Welt- und Lebensfreude ausstrahlt und die der angesehene Soler-Kenner Santiago Kastner so beschreibt: "Der um 44 Jahre ältere Domenico Scarlatti ist dem Barock weit inniger verbunden als Soler. Dieser dagegen ragt in die Epoche des galanten Stils hinein. Hin und wieder schlägt der Hieronymitenbruder Töne an, als ob sie das Nahen Mozarts ankündigen. Wie hat er es nur fertig gebracht, in der tiefsten, granitenen Welt des El Escorial Musik zu schöpfen, welche, abhold allem geistigen oder geistlichem Tiefsinn, helle Freude ausstrahlt, sich mit spitzbübischen Lächeln und graziösen Gesten in spontaner Frivolität ergeht."
Angelika Nebel

Die CD ist auf Wunsch signiert bei Angelika Nebel zu bestellen (LETZTE EXEMPLARE) (Preis: 19,99 €).