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Tanz auf dem Vulkan
Hersfelder Zeitung, 26. Februar 2014

Meisterschüler von Professor Angelika Nebel zeigen ihr Können im Bach-Haus Von Eva Naumann

Bad Hersfeld. Die Ergebnisse des Meisterkurses für Klavier mit Professor Angelika Nebel von der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf in der Musischen Bildungsstätte haben zahlreiche Zuhörer am Sonntag im Bach-Haus miterlebt. Von Freitag bis Sonntag hatten fünf begabte Talente anspruchsvolle Klavierwerke aus Klassik, Romantik, Impressionismus und der sogenannten zweiten Wiener Schule erarbeitet. Etliche Interessierte nutzten zudem die Möglichkeit, die Arbeit der Professorin mit ihren Studenten zu beobachten.

Das Konzert begann mit der Passacaglia c-Moll von Johann Sebastian Bach, dargeboten von Wagner Prado, einem jungen Brasilianer, der im letzten Jahr den ersten Preis fürs Komponieren beim Neckar-Musikfestival gewann. Faszinierend, wie das Passacaglia-Thema im Bass fast wie in Zeitlupe erklang, während in den Oberstimmen die Variationen dahin schwirrten. Unter den virtuosen Händen von Wagner Prado verdichtete sich dieser Effekt zu einem erhabenen und würdevollen Zusammenspiel.

Ausbalancierter Ton

Die Klaviersonate Nr. 28, op. 101 von Ludwig van Beethoven markiert den Übergang zu Beethovens Spätwerk und gilt im Allgemeinen als besonders anspruchsvoll selbst für erfahrene Pianisten. Vita Gajewska, Preisträgerin mehrerer internationaler Festivals und Wettbewerbe, gelang es, Spannung zu erzeugen und damit die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Ihr wunderbar abgerundeter, ausbalancierter, immer differenziert gestalteter Ton war bestechend und ihr Gespür für die architektonischen Dimensionen dieses anspruchsvollen Werkes rufen Bewunderung hervor.

Jekaterina Pavlova widmete sich den Fantasiestücken op. 12 von Robert Schumann. Pavlova entführte mit ihrer Interpretation in eine geradezu unheimliche Klangwelt, so als habe sie Schumanns Schicksal und Begehren bis ins Mark verstanden.

Reflexion und Hingabe

Als Brücke zur Modernen gilt Alban Bergs Klaviersonate op. 1, dargeboten von der jungen Südkoreanerin Bongju Lee. Lee intonierte Bergs Vorstellung von großen Klangräumen schillernd wie die Jugendstilornamente in Wien. Ausdrucksstark übertrug sie Bergs Imaginationen mit einer Mischung aus Reflexion und Hingabe auf das Instrument. Den Abschluss bildete Maurice Ravels „la Valse“, der wohl bizarrste Walzer der Musikgeschichte. Sulki Park erstieg damit an diesem Nachmittag den Olymp der Klavierliteratur, indem sie das äußerst schwierige – und daher selten live zu hörende – Werk spielte. Der amüsante, oft leicht melancholische Wiener Walzer wird hier zum Tanz auf dem Vulkan, der sich ins Zügellose steigert. Das orchestrale Wüten der Stipendiatin der Robert-Schumann-Hochschule ließ um den schönen Flügel im Bach-Saal bangen. Und so wurden die Zuhörer nicht nur musikalisch, sondern auch gefühlsmäßig auf eine abenteuerliche Gratwanderung geschickt.

Es folgte lang anhaltender Beifall für die jungen Künstler aus Düsseldorf und ihre engagierte Professorin.

Quelle: Hersfelder Zeitung